Indien Teil 10 Post für Dich

Lesezeit: 4 Minuten

Post aus der Schweiz

Da so Einiges fehlte, was wir für den täglichen Gebrauch benötigten, hatten wir nachhause geschrieben. Gleichzeitig haben wir die belichteten Diafilme, sicherheitshalber in Bleibeuteln  verpackt, nachhause geschickt.

Das Postamt in Calangute ist ein Hauptbegegnungsort. Postlagernd erhalten fast alle Ausländer, die hier wohnen, einmal pro Woche Briefe und Pakete.

Das Postamt hat an gesetzlichen Feiertagen zu.

Gesetzliche Feiertage sind:

  • alle christlichen Feiertage
  • alle hinduistischen Feiertage
  • alle muslimischen Feiertage
    Türe ins Nichts (c) Corinne I. Heitz
    Türe ins Nichts (c) Corinne I. Heitz
  • alle britischen Feiertage
  • alle katholischen Feiertage
  • alle indischen Feiertage
  • Samstag und Sonntag
  • und sogenannte Bank-Holidays, also wegen zu geschlossen.

Wann immer wir zu dem Postoffice kommen, es ist zu. Auch diejenigen, die schon lange hier wohnen, staunen jedes mal, wenn der Schalter geschlossen bleibt. Es hängt dann ein handgeschriebener Zettel an der Tür mit dem Hinweis auf einen Feiertag, den meist niemand kennt.

Wenn dann endlich die Post offen hat, ist der Postbeamte zwar freundlich aber kompliziert und ein echter Staatsbediensteter. Erst werden alle Papiere verlangt und auf deren Gültigkeit überprüft und dann erst nachgesehen, ob Post da ist.  Wer Ungeduld zeigt, wird mit Langsamkeit bestraft. Somit ist die Warteschlange immer sehr lang und jeder, der ohne Paket oder Brief hinauskommt ist völlig entnervt.

Aber doch wir haben ein Paket und einige Briefe von zuhause.

In dem Paket sind Zahnbürsten auf Vorrat für gut 6 Monate. Zahnpasta gibt es hier sehr gute mit Neem. Neembäume wachsen überall in Indien. Der Extrakt wirkt antiviral und antibakteriell und ist geschmacklich sehr angenehm. Dass die Zahnpaste hier nicht weiss ist, versteht sich von selbst, ist doch kein giftiges Titandioxid drin. Noch heute verwende ich eine Ayurvedische Zahnpaste mit Neem und wir verkaufen diese sogar in der Praxis.

In dem Brief von meiner Mutter steht unter anderem:

In der Schweiz gibt es jetzt neu eine Billiguhr, sie heisst SWATCH, ich habe sie mir in den beiden möglichen Farben braun und beige gekauft. Das Einzige, was mich stört ist das laute Ticken.

Zeitungen

Wir kaufen Zeitungen und fangen an, uns für Indien und seine Politik zu interessieren. 1983 war Indien ein sozialistischer Staat, abgeschottet vom Westen und verbrüdert mit der Sowjetunion.  Indira Gandhi herrschte damals mit eiserner Hand. Ihr Sohn Rajiv versuchte die Macht zu übernehmen und wurde später ermordet. Seine Frau Sonja Gandhi, eine gebürtige (*1946) Italienerin aus Vicenza, hatte in den 80-er Jahren als erste Frau begonnen, sich für die Rechte der Frauen im Lande einzusetzen. Sie ist heute noch politisch aktiv.

In der Zeitung lesen wir von ihr Artikel über das Anzünden von Frauen. Ein alltäglicher Vorgang offenbar. Frauen müssen eine grosse Aussteuer und Mitgift  in die Ehe einbringen, was viel Geld kostet.  Wenn dann der versprochene Kühlschrank nicht geliefert wird, wird die Frau von ihrem Mann kurzerhand mit Kerosin übergossen und angezündet. Oft werden die Familien der Frauen auch erpresst, immer noch mehr zu zahlen, ansonsten würden die Frauen angezündet. Was für ein Land!

AIDS

Wir schreiben das Jahr 1983. Das Time Magazine berichtet auf der Titelseite des Februar-Heftes von einer neuen Krankheit, die wohl ausschliesslich homosexuelle Männer übertragen wird. Es wird vermutet, dass die Krankheit durch Poppers (werden und wurden von Schwulen zur Stimulation verwendet) entsteht.  Wir wissen heute, dass diese Theorie falsch war.

Shiva

 

Unser kleiner Hund entwickelt sich prächtig.

Sein Beinchen ist fast geheilt und er geht nun auch mit zum Strand . Mit dem Fressen, haben wir etwas Mühe mit ihm.  Er hat sich angewöhnt, sobald die Fahrradklingel des Bäckers ertönt, laut bellend durch den Palmenhain zu ihm  zu rennen. Dieser ist darob so amüsiert, dass Shiva immer ein Brötchen bekommt.

Shiva am Strand mit (c)Corinne I. Heitz
Shiva am Strand mit (c)Corinne I. Heitz

Das können wir ihm nicht mehr abtrainieren.  Jetzt also allmorgendlich: Fahrradglocke und Shivas freudiges Gebell. Zu unserem Erstaunen kommt pünktlich nach dem der Markt geschlossen hat, Shivas Mutter, eine sehr liebevolle Hundedame zu uns zu Besuch. Sie schaut, wie es dem Kleinen geht und lässt sich sodann ganz lange von uns streicheln. Ja sie legt sich sogar bei uns auf den Schoss.

Unsere Nachbarn schenken uns jetzt jeden Morgen einen Fisch. Also einen kleinen Haifisch, so ca. 20 cm gross. Den zerlege ich und koche ihn für den Hund. Nur der frisst das nicht.  Aber jeden Morgen liegt ein toter Fisch vor unserer Türe. Irgendwie müssen wir den immer so entsorgen, dass es niemand merkt.

Shiva frisst am liebsten das, was ich für uns koche. Gemüse mit Reis oder Süsskartoffeln, so richtig scharf mit viel Curry.


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Fortsetzung

Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1


 

PS Die in den Indien-Beiträgen verwendeten Bilder sind alles Diapositive aus dem Jahr 1983, welche zu Normalbildern konvertiert wurden. Deshalb die manchmal etwas mangelhafte Qualität.

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