Indien Teil 18 Freundlichkeiten

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Wir sind jetzt so bekannt wie ein bunter Hund. Spätestens seit dem Kauf des Motorrades kennen uns alle im Dorf. Wir werden deshalb mit

Freundlichkeiten

nur so überhäuft.  Alle sprechen uns an, fragen, woher wir sind, wie lange wir bleiben wollen. Vorher waren wir einfach nur Touristen, jetzt sind wir richtig da, wohnen in einem Haus, wie die Leute von hier und  wir haben ein Motorrad.  Für die Leute hier heisst das, dass wir bleiben und sind reich.

Auf dem Markt purzeln plötzlich die Preise.

Zuvor hatten wir für 2 Bananen 50 Paise, was einer halben Rupie entspricht,  bezahlt (= ca. 8 Cent oder oder 10 Rappen). Jetzt bekommen wir für 2 Rupien 15 Bananen!  [Der Text könnte einem meiner verhassten Mathematikbücher aus meiner Schulzeit entspringen, Super-Dreisatz, was kostet jetzt eine Banane?]

Wir bekommen neu auch Eier und Maiskolben. Wir bekommen Fleisch geschenkt für Shiva und immer wieder schenkt man uns Haifische, diese werden von Tag zu Tag grösser.

Die Lebensmittel werden auf dem Markt in Zeitung gewickelt, was nicht immer appetitlich ist.

Bananen Goa, (c)1983 Corinne I. Heitz
Bananen Goa, (c)1983 Corinne I. Heitz

Sie fragen nach Plastiksäcken, die kauft man uns sogar ab. Sachen aus Plastik sind hier gar nirgends erhältlich. Erschreckt hat uns die Tatsache, dass jemand unsere gebrauchten Zahnbürsten, welche wir weggeworfen hatten, für 2 Rupien das Stück verkauft.

Zum Verständnis, wie viel das Geld hier wert ist: Die Angestellte im Motorradgeschäft verdient gut, sie bekommt im Monat 300 Rupien, das sind 60 Franken (50 Euro). Man kann sich jetzt vorstellen, wie viel so ein Motorrad (11.000 Rupien), wie wir es gekauft haben, für die Leute hier an Geld-Wert bedeutet; es ist schlichtweg unerschwinglich.

Viel Ehr, viel Neid

Wieder einmal verbringen wir Stunden beim Post-Office.  Es steht davor, wie fast jedes Mal, dieses total aufgemotzte Enfield-Motorrad. Wir sehen es öfters auch sonst wo im Dorf, wissen aber nicht, wem es gehört. Unser Motorrad wirkt dagegen eher klein. Wir stellen es daneben ab und verbringen einige Stunden in der Post. Wir sollen für ein Paket aus der Schweiz 119 Rupien bezahlen, das ist ein Vermögen.  Zunächst debattieren wir rum, wollen nicht bezahlen, ohne zu wissen wieso. Die Schlange hinter uns wird immer länger, weshalb wir nachgeben. Es handelt sich um Zollgebühren. Diese sind enorm, weil Indien sich über Importzölle vom Westen abschotten will.  So müssen wir für ein paar Lächerlichkeiten, welche hier nicht zu erhalten sind (o.b., ein bisschen Schokolade und Instantkaffee-Pulver), ein Vermögen hinblättern.

 post office calangute (Google Eintrag)
post office Calangute (Google Eintrag)

Wir machen anschliessend noch kleine Einkäufe, genehmigen uns einen Chai in einem der umgebenden “Bistros”.

Der Schweizer

Wir kommen zurück zu unserem Motorrad und wollen wegfahren. Beim Ankicken des Motors passiert nichts. Mehrfach versuchen wir das Motorrad zu starten, nichts! Wir steigen ab und schauen, was sein könnte. Ach wie “schön¨, es hat uns jemand das Zündkabel (Kabel, das die Zündkerze mit dem Motor verbindet) durchschnitten.  Behelfsweise versuchen wir, das Kabel zusammen zu bringen, als der Inhaber der Enfield neben uns steht.

In einwandfreiem Schweizerdeutsch spricht er uns an.  Seine Art ist nicht hilfsbereit sondern äusserst arrogant. Von oben herab verkündet er, dass wir ja schon ortsbekannt seien, als die beiden Naiven, die ihren Fotoapparat einem Gauner geliehen haben. Dass wir nun ein Motorrad hätten, würde ganz logischerweise auch Feinde schaffen.

Wir sind ziemlich perplex ob der Art und Weise wie wir hier und auch noch auf Schweizerdeutsch abgekanzelt werden.

Er stellt sich uns vor. Ich habe seinen Namen weder notiert noch gemerkt. Ich nenne ihn einfach den Schweizer.  Wir sollen das Motorrad stehen lassen und zu seinem Haus mitkommen. Der Weg führt uns einige  einige 100 Meter in die entgegengesetzte Richtung  von unserem Haus weg.

Wir stehen vor einer kleinen Villa!  Draussen warten wir und er bringt uns etwas Isolierband, wir könnten damit provisorisch das Kabel reparieren. Er lädt uns für den nächsten Abend zum Nachtessen ein. Wir sagen aus Neugier zu.

Bei Motorrad angekommen erleben wir den nächsten Ärger, jemand hat die Luft aus beiden Reifen gelassen, sehr witzig! Wir kleben das Startkabel zusammen, starten den Motor und schieben das Motorrad den Weg zu unserem Haus entlang.  Begleitet werden wir von johlenden Kindern und Jugendlichen, die das Ganze wesentlich lustiger finden als wir. Das Motorrad wird angekettet, die Schutzhülle kommt drüber und wir gehen frustriert in unser Haus.

Nachts

Mitten in der Nacht wachen wir auf, weil wir so Hunger haben, dass es nicht auszuhalten ist. Wir hatten vor lauter Ärger und Frust vergessen zu essen.  So kochen  wir Süss-Kartoffeln und essen 8 Eier dazu, die wir zu Rührei , gewürzt mit Curry, verarbeiten.  Oft merken wir nicht mehr, dass wir einfach zu wenig essen.

Am nächsten Tag werden wir uns um das Motorrad kümmern müssen und nochmals zur Schneiderin gehen, uns fallen die Hosen vom Leib.


Kommentar von Doris zum letzten Beitrag:

HI CORINNE, DORIS IST EINE BEGEISTERTE ANHÄNGERIN
☀ DEINES BLOG!
WAR EINE COOLE REISE MIT DIR.
DU SCHREIBST SPANNEND
UND ALLES STIMMT HAARGENAU.
LIEBSTI GRÜESS US ZÜRI,
DORIS


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Fortsetzung

Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1


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Auch über Kommentare zu meiner Erzählung würde ich mich sehr freuen 🙂


 

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