Indien Teil 40 Heimreise

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Heimreise

Auf dem Flughafen Bombay treten wir die Rückreise in die Schweiz an.

Wir sind drei Stunden zu früh, was sich als gute Vorausschau herausstellen wird. Beide haben wir je einen grossen Koffer und einen typisch indischen Metallkoffer im Handgepäck dabei.  Die Gitarre darf auch mit ins Flugzeug.

Nach dem Checkin müssen wir noch durch die Sicherheitskontrollen. Wir zeigen die Pässe. Der Polizist wird ganz nervös und schaut unsere Visums-verlängerung von Bombay immer wider an. Dann geht er mit unseren Pässen weg. Es kommt eine zweiter Polizist hinzu. Er gestikuliert mit meinem Pass und schnauzt mich an.

Mumbai India Airport Highway Sign 2D Illustration

Ich habe keine Ahnung, was nicht in Ordnung sein sollte. Dann zeigt er mir die Seite in meinem Pass, welche ihn so aufregt: Es liegt ein 20 Franken Schein drin. Er dachte ich wollte ihn damit bestechen!

Ich erkläre mich und sage, ich habe mir den Schein in den Pass gelegt, damit wir uns etwas zu essen kaufen können, wenn wir in der Schweiz sind. Er sagt das sei viel Geld in Indien. “Uff”, wie wenn wir das nicht wüssten.  Ich versuche, zu erklären, dass es keinen Grund gäbe, ihn zu bestechen und ich wüsste nicht, weshalb er sich so aufrege, es sei einfach nur ein Missgeschick. Ich kann es nicht fassen, eine Bestechung mit 20 Schweizer Franken!

Meine Geduld mit Indien ist am Limit, ich muss mich sehr beherrschen, um nicht einfach loszubrüllen. Wir wollen nur nachhause!

Es besteht absolut die Gefahr, dass ich wegen Bestechung festgenommen werde. Es diskutieren nun schon vier Polizisten. Mein Gesicht verfärbt sich von hochrot zu kreidebleich, ich habe richtig Schiss, hinzukommt unser zusätzliches Visum, eine illegale Verlängerung um weitere drei Monate. Jetzt wird Doris’ Pass auch untersucht, das gleiche Visum, es wird weiter diskutiert, dann werden wir befragt.  Ich erkläre, dass wir keinen früheren Flug bekommen konnten, dass wir das Visum deshalb legal verlängert hatten, dass das Ganze nur ein Irrtum sei. Ich schwitze Blut und Wasser bei über 40 Grad im nicht klimatisierten Flughafen und einer Luftfeuchtigkeit von 100 %.

Es dauert fast eine Stunde, bis man uns mit grimmiger Mine durchlässt.

Flug

Tatsächlich, wir sitzen in einem Linenflug der Swissair in Richtung Heimat.  Bis zur Zwischenlandung in Rom kann ich mich an nichts mehr erinnern.

In der Hauptstadt Italiens landen wir nach einer langen Nacht. Es ist früh am Morgen. Die Türen gehen auf und wir atmen seit langem frische Luft! Es kommt noch besser, es werden grosse Platten mit Sandwichs hineingetragen. Es sind richtige Brötli mit Parmaschinken!

Zu unsere Freude und Belustigung will eine Mehrheit der Passagiere keine Schinkenbrote, sie sind entweder Vegetarier oder Moslems.  Als die Stewardess unseren Hunger erkennt, bekommen wir die ganzen Brote mit Parmaschinken auf dem Tablett vor uns hingestellt.  Bis wir am Mittag in Genf landen, haben wir alle gegessen.

Flughafen Genf

Wir holen unser Gepäck. Als Erstes fällt uns diese unendliche Sauberkeit auf. Der Boden ist wie geleckt,  glänzender Marmor.  Mit unseren Koffern und der Gitarre gehen wir durch das “nichts zu verzollen” Gate.  Nein, wir haben es nicht anders erwartet, wir müssen in den Nebenraum.

 

Alles auspacken, wirklich alles, die Koffer werden fast in die Einzelteile zerlegt. Der Zöllner wird immer wütender, weil er nichts findet, gar nichts, überhaupt nichts.  Erklärungen unsererseits ignoriert er: “wir haben nichts dabei!” Er holt Verstärkung, zu zweit suchen sie nun, ich bin

Aeroport Geneve
Aeroport Geneve

gespannt ob noch eine Leibesvisitation hinzu kommt, das bleibt uns aber dann doch  erspart.

 

Es dauert eine Weile, bis wir unsere Koffer wieder gepackt haben und die Zollräume verlassen können.

Heimfahrt

Ich gehe zu einer Mietwagenfirma, während Doris eine Telefonkabine sucht, um bei unseren Freundinnen anzurufen. Sie wissen ja gar noch nicht, dass wir heute Abend in Zürich sein werden.  Wir haben keine eigene Wohnung mehr, so hatten wir schon vor unserer Abreise vereinbart, dass wir zunächst ein paar Tage bei Luciana und Caroline wohnen werden, bis wir wieder etwas Eigenes haben. Auch ist die ganze Paketpost aus Indien zu den Beiden gegangen.

Mit dem Leihfahrzeug fahre ich los Richtung Zürich. Breite Strassen, alles sauber, unsere Augen können sich gar nicht satt sehen.

Immer wieder muss ich Doris fragen, auf welcher Seite ich fahren muss.  Zum Glück fahren wir fast alles auf einer Autobahn, aber ich weiss wirklich nicht, was die Überholspur und was die normale Fahrbahn ist. Von einer Sekunde auf die andere, muss ich mich an den Rechtsverkehr gewöhnen, das ist gar nicht so einfach, zumal es wenig Verkehr hat und ich oft kein anderes Auto sehe.

Davon würde manch Einer träumen, eine leere Autobahn zwischen Genf und Zürich, das ist heutzutage unvorstellbar.

Wir hatten beide aufgehört zu rauchen in Indien. Doch in den letzten Tagen hatten wir uns aus purer Verzweiflung diese grässlichen Beedies gekauft.

[Beedi (hindi: बीड़ी, Bīṛī, Biri) nennt man eine indische zigarettenähnliche Tabakware aus einem Tendublatt (Ceylon-Ebenholz, Diospyros melanoxylon) als Hüllblatt und Tabak oder anderen Kräutern als Füllung. Beedis sind sehr trocken, stark und werden häufig parfümiert. ] Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Beedi

Wir rauchen welche im Auto und fahren nachhause.

 

 


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Fortsetzung

Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1


 

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