Indien Teil 42 – Epilog

Lesezeit: 5 Minuten

Epilog oder Schlusswort

Neulich fragte mich jemand, ob sich diese Reise denn gelohnt habe.

Die philosophische Antwort auf diese Frage würde wohl lauten:

“Das ganze Leben lohnt sich nicht, es kostet nur und am Ende sogar das Leben selbst”

 

In der rückblickenden Bilanz, hat sich diese Reise ganz sicher “gelohnt”.

Die Strapazen waren sicherlich über alle Masse zu hoch.

Auch kam ich nicht dazu, meine Dissertation in Philosophie zu schreiben, dieses Projekt musste ich bis 2012 verschieben.

Ich habe erfahren dürfen, was es heisst, den Wasserhahn aufzudrehen und sauberes Wasser zu haben, das ist sicherlich die grösste und wertvollste Erfahrung für mich, die ich von dieser Reise mitgebracht habe.

Heute noch öffne ich jeden Wasserhahn mit dem Bewusstsein, dass es absoluter Luxus sei, ohne Bedenken Wasser aus dem Hahn trinken zu können.

Ein andere wichtige Erfahrung war es, zu erkennen wie wichtig Bildung ist. Wenn man in einem Land wie Indien zur Elite gehört, weil man lesen und schreiben kann, heisst das ja nur, dass der Zugang zur Bildung vielen Menschen verwehrt ist. Wie so oft sind es vor allem Frauen und Kinder, die darunter leiden.

Dass reiche Inder sich um ihr Land kümmern, ist auch eine der guten Erfahrungen. Der Sohn eines reichen Inders (Freunde meines schon 1980 verstorbenen Vaters) hat heute eine gutgehende Firma in Kalifornien. Er hat in Indien mit seinem Geld eine Schule und später gar eine Universität gegründet.

Auch die Juristen und Ärzte, die im Freien in Delhi ihre Dienste anbieten, sind meist schon pensioniert und helfen den Armen und Ärmsten, indem sie ihre Dienste umsonst anbieten.

 

Frauen

Was Frauen in diesem Land angetan wird, ist unbeschreiblich. Das hat sich leider nicht geändert. Heute ist es gar so, dass Schwangere in den Strassen Indiens schnell einen Ultraschall machen lassen können, weibliche Föten werden sofort abgetrieben. Der Männerüberschuss ist  heute enorm, es finden die meisten Männer keine Frau mehr.  Ganze Horden von Männern vergehen sich an den Schwächsten, meist noch Kinder, wie wir unlängst wieder in der Zeitung lesen mussten. Das Bisschen, was bis zu uns durchdringt, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Dass Frauen, wenn man sie nicht mehr braucht, einfach angezündet oder abgemetzelt werden, ist einer der schlimmsten Zustände in Indien.

Ich glaube Doris und ich würden nach der Erfahrung von damals und dem Wissen aus den Medien, niemals mehr so eine Reise nach und in Indien antreten wollen.

Ich selbst hatte mir geschworen, nie wieder in so ein Land zu reisen. Als ich mich 1996 zu einer Reise mit der Bank nach China entschlossen hatte, war ich in der Nacht vor dem Flug schweissgebadet aufgewacht und erinnerte mich an meinen Schwur. Ich hatte wirklich Angst vor einer neuerlichen hygienischen Katastrophe oder der Hitze; das war dann aber nicht wirklich so schlimm. (wird irgendwann in diesem Blog noch kommen).

Mangel und Glück

Ich habe gelernt, dass viele Menschen trotz Ermangelung von Luxus und alltäglichem Komfort, glücklich sein können. Reichtum ist keine Frage des Geldes, sondern der inneren Einstellung, sich mit dem, was man hat, zufrieden zu geben.

Die Unzufriedenheit kommt auch in Indien erst mit dem Zugang zu westlichen Luxusgütern und Statussymbolen auf. Indira Gandhi hatte eine gute Absicht gehabt, das Land abzuschotten und keine westlichen Güter zuzulassen.  Mit Besitz kommt Neid und Missgunst der Besitzlosen auf.

Es gab zu der damaligen Zeit ganz bewusst nichts aus den USA, somit auch kein Coca-Cola, die Kopie davon hiess “Thums up”, Daumen hoch, lange bevor es Facebook gab! Das schmeckte einfach nur scheusslich.

Thumb's UP (c) 1983 Corinne I. Heitz
Thums Up (c) 1983 Corinne I. Heitz

Meine Erkenntnis, was fehlt, wenn Vieles fehlt:

Auf eine Zahnbürste würde ich  niemals verzichten wollen!

Korruption

Eine Mangelwirtschaft produziert Korruption. Die Bestechlichkeit der indischen Beamten und Behörden war und ist ein grosses Problem. Wie sich ein paar windige Gestalten aus der Schweiz und Deutschland so ganz einfach die Macht über ein ganzes Dorf geteilt hatten, war eine entsetzliche Erfahrung.  Und selbst wir, die wir nur am Rande beteiligt waren, wurden in den Sog dieser Macht gerissen und bedroht.

Korrupt Beamte sind eine Gefahr, weil sie Willkür ausüben können.

Übrigens sind wir in Zürich auf das Drogendezernat gegangen und haben unsere Erfahrung mit den Drogenbossen von Goa erzählt. Der Coiffeur-Salon in der Nähe vom Bellevue war schon kurze Zeit zuvor observiert worden. Die Kanäle des internationalen Drogenverkehrs, so hat man uns bestätigt, verlaufen exakt so, wie wir es geschildert hatten. Die Ernüchterung besteht wohl darin, dass die Hintermänner von Politik, Maffia, Kirche und weiss der Geier wen unterstützt werden. Für Drogen werden Kriege in Kauf genommen (Afghanistan), da bringt es nichts, ein paar Ganoven zu verhaften. Auch das ist eine Einsicht.

Faszination

Nebst den Strapazen gab es auch sehr viele faszinierenden Momente.  Die Landschaft und auch die alte Kultur, haben mich berührt. Es ist sehr schade, dass ich nicht mehr von der Heilkunde erfahren konnte, die Heiler auf den Märkten hatten eine ganz besondere Ausstrahlung.

Die Menschen (zumindest die indischen), die wir getroffen haben, waren in der Zeit unserer Reise, echte Freunde, das ist ebenso eine sehr schöne Erfahrung.

Auch die Sprachenvielfalt hatte etwas Magisches für mich. Ich liebe Sprachen und bis zum Ende unserer Reise habe sich sehr gut Hindi verstanden und sogar etwas Konkani (Sprache, die in Goa gesprochen wird) sprechen können.

In dem Video gibt es einen kleinen Sprachkurs in Konkani und wer weiss, vielleicht ist der nette Lehrer einer der Jungs, die wir damals getroffen hatten!


Es kann sein, dass ich die Indien-Reise in einem Büchlein herausgeben werde.

Der Titel könnte heissen:

Nie wieder Indien

und das meine ich so!


Am Ende dieser Reise haben Doris und ich wohl auch gemerkt, dass wir nicht wirklich zusammen passen. Während  unseres Abenteuers haben wir jedoch zusammengehalten wie Pech und Schwefel. Auch wenn es noch fast ein Jahr dauert, die Trennung bahnt sich an.


Ich habe Doris erst im Jahr 2008 nach genau 25 Jahren wieder gesehen, seither sind wir befreundet.

2008 Doris und Corinne

Meiner Mutter hatten wir alle Filmrollen aus Inden zugeschickt, sie hat es fertig gebracht, nach unserer Ankunft, sämtliche Schwarz-Weiss-Bilder inklusive Film aus Versehen wegzuschmeissen, das ärgert mich immer noch!

Und noch ein Nachruf:

Caroline und Luciana sind beide schon länger verstorben (wir hatten bei ihnen nach Indien gewohnt) und letzten November (2017) ist Irene, welche mit uns zunächst zusammen wohnte, ebenfalls verstorben.

Irgendjemand sagt zu mir: “Wer Indien überlebt, überlebt Alle!”

Der Blog geht weiter, das Kapitel Indien ist geschlossen.

Es freut mich, wenn meine Leserinnen und Leser dabei bleiben, es folgt (m)ein spannendes und abenteuerliches Leben.


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Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1


 

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Auch über Kommentare zu meiner Erzählung würde ich mich sehr freuen 🙂

 

 

2 Antworten auf „Indien Teil 42 – Epilog“

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