Indien Teil 5 Calangute

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Das Haus am Meer

Ein Haus am Meer, der Wunschtraum meiner Seele, wird wahr.

Wir ziehen gleich nach dem Aufstehen in unser neues hübsches Häuschen um. Endlich können wir alles auspacken. Alles findet seinen Platz und es fühlt sich an wie “Zuhause”.

Zum Eingang gibt es eine kleine Treppe mit einem Vorbau. Dann erst tritt man ein. Es folgt ein grosser Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen (aus Plastik). hinter dem Raum ist rechts ein Zimmer mit einem Bett, das den ganzen Raum ausfüllt und geht man den Gang weiter kommt man in die Küche.

In der Küche ist eine vorinstallierte Dusche, ein Spülbecken und eine Türe, welche hinter dem Haus nach draussen führt, wo dann linker Hand die Plumpsklos sind.

Das soll für die nächste Zeit unser Heim sein.

Portugiesisch

Dass Goa eine portugiesische Kolonie war, bemerkt man an mehreren Besonderheiten. Erwähnt hatte ich bereits, dass Einige hier Portugiesisch sprechen. Auffällig sind jedoch die Heiligen, welche unser Haus

die Heiligen
Die Heiligen bewachen den Türeingang (c) Corinne I. Heitz 1983

bewachen, es sind nicht Krishna und Ganesch,  sondern Jesus und die Muttergottes.

Jesus und Maria in verschiedenen Kompositionen sind zu einem Alter-ähnlichen Konstrukt zusammengefügt und befinden sich über dem Türsturz in dem grossen Raum mit dem grossen Tisch (aus Plastik).

Im portugiesischen Kolonialstil gebaut ist auch die Kirche, welche sich bei der Bushaltestelle und neben dem Markt befindet.

Äusserst Portugiesisch ist die Tatsache, dass im Gegensatz zu Bombay hier Alkohol frei verkäuflich ist. Es gibt Portwein in Literflaschen in den Varianten rot und weiss. Es gibt indisches Bier und auch einen Schnaps, Arrak, meist aus Zuckerrohr oder Reismaische mit 30-70 %.

In den Restaurants gibt es Gerichte mit Rindfleisch, was ansonsten im hinduistischen Indien absolut tabu wäre, Kühe sind heilig und werden nicht geschlachtet.

Problem Wasser

Bald realisieren wir, dass das mit dem Wasser hier ein Problem werden wird. Die Küche hat nämlich weder einen Wasseranschluss -auch nicht die vorinstallierte Dusche- , noch einen Herd.

Ziehbrunnen
Doris holt Wasser aus dem Ziehbrunnen (c) Corinne I. Heitz 1983

Wir müssen das Wasser aus einem Ziehbrunnen, der neben dem Haus ist beschaffen. Mühsam filtern wir jeweils einen Liter mit unserem mitgebrachten Katadyn-Filtersystem.  Wann immer wir im Haus sind, filtern wir wieder einen Liter dazu, sodass wir pro Tag etwa 2-3 Liter zur Verfügung haben. Das Wasser nehmen wir für unsere tägliche Hygiene und zum – zusätzlich abgekocht- Trinken. Zum Kochen haben wir einen  Kerosin-Kocher mit einer Pfanne, das haben wir uns am Vormittag auf dem Markt beschafft.

Wir Feiern

Wir nehmen uns vor, uns vor Nichts und wieder Nichts in der Zukunft dieser Reise  zu fürchten und beschliessen, uns eine Flasche Portwein zu kaufen, vom Markt etwas zum Essen zu holen und uns einen gemütlichen ersten Abend auf unserer Terrasse vor dem Haus zu verbringen. Für allfällige Desinfektionszwecke kaufen wir noch 05, Liter von diesem Schnaps.

Auf dem Rückweg möchte Doris sich noch Tampons kaufen. Wir gehen zu einem der kleinen Läden, die so ziemlich alles im Sortiment haben. Nach langem Erklären und Diskutieren erhalten wir Böller und keine Tampons. Es sind diese faustgrossen, giftig grünen, würfelförmigen Böller. Doris ist nicht wirklich begeistert aber wir kaufen davon 2 Stück, um ordentlich unsere Ankunft hier zu feiern.

Um nicht innerhalb der bewohnten Zone Krach zu machen, zünden wir die Böller am Strand, wo niemand ist. Ich lege einen auf den Boden, zünde ihn an und renne weg.

B-U-M-M!

Doris ist die Mutigere von uns beiden.  Sie nimmt den Sprengsatz in die Hand und zündet ihn so, um ihn dann wegzuwerfen.

B-U-M-M!

Der Böller ist in der Hand von Doris explodiert, sie kam nicht dazu ihn noch wegzuwerfen!

Es schaut ganz furchtbar aus. Wir rennen zum Haus. Ich mache mir grosse Sorgen und Doris unterdrückt ihre Schmerzensschreie, es kommt nur ein zaghaftes Winseln. Im Haus nehmen wir das bereitstehende gefilterte Wasser für eine erste Reinigung.  Es schaut sehr schlimm aus, die ganze Handinnenfläche ist offen und hat Schmauchspuren. Ich hole mein mitgebrachtes  SOS-Paket, da ist viel Verbandstoff drin, Pflaster, und auch, weil ich immer wieder von Schmerzen geplagt werde, ein morphiumhaltiges Schmerzmittel für den Notfall. Ich reinige die Wunde zusätzlich mit dem Arrak, er hat 60%, ich öffne die Portwein-Flasche, giesse Doris ein grosses Glas davon ein und reiche ihr die Schmerztablette. Ich bin der Meinung, dass ich sie in Narkose legen muss, bis ich die Hand sauber bekomme und einigermassen sicher verbinden kann.

Mit der Pinzette muss ich verbrannte Haut und Teile des Böllers entfernen, während Doris auf dem Stuhl sitzt und immer wider nach vorn und zurück schaukelt, um nicht loszuschreien.

Auch ich nehme ein grosses Glas von dem Port nachdem ich sie verarztet habe. Wasser haben wir heute eh keines mehr.

 

Wie geht es weiter? Ist da das Ende unserer Reise?

Fortsetzung

Von Anfang an lesen: Teil 1

PS: Unser Haus ist auf dem Beitragsbild zu sehen mit der grün-gelben Terrasse inmitten von Palmen.

 

 

3 Antworten auf „Indien Teil 5 Calangute“

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