Indien Teil 8 Auf den Hund gekommen

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Ruhige Tage

Die Tage werden beschaulicher.

Viel Zeit investieren wir  in die Beschaffung von Trinkwasser und Essen.  Zuverlässig  kommt täglich morgens der Bäcker mit dem Fahrrad , sodass wir immer mit frischen Brötchen versorgt sind.

Oben im kleinen Ortszentrum von Calangute ist jeden Morgen -ausser an Feiertagen und sonntags- Markt, auf welchem wir fast alles bekommen, was wir brauchen. Wenn wir Reis kaufen, müssen wir die Steinchen und den Reis  stundenlang meditativ von Hand verlesen und trennen.

Sodann geht Doris zum Brunnen und holt Wasser. Was die Frauen hier ganz locker und mit Leichtigkeit fertigbringen, ist für uns höchste körperliche Anstrengung.  Einen 20 Liter-Eimer voll Wasser aus sehr grosser Tiefe an einem Seil hochziehen, mit blosser Armeskraft, ist eine sehr sportliche Disziplin.

Um unsere 3 Liter Wasser täglich  zu filtern, benötigen wir gut eine Stunde.

Wir sitzen auf unserer Terrasse, derweil die Grossmutter nebenan, eine drollige und sehr rundliche Frau in einem knallgelben Kleid mit einem ebenso gelben automatischen Knirps bestückt, die Runde im Revier macht.  Es scheint, als ob die Familie grossen Einfluss habe. Der Schwiegersohn ist nicht nur Fischer, sondern auch Schiffbauer, während die drei Frauen “nichts” arbeiten.

Den ganzen Tag über wird in einem riesigen Topf draussen auf offenem Feuer gekocht.  Das Haus wird ausgekehrt und ansonsten wird immer etwas gegessen. Die Frauen sitzen oft ratschend auf der Treppe zu ihrem Haus und lausen sich gegenseitige die Haare.

Vor dem Haus
Vor dem Haus wird gekocht (c)1983 Corinne I. Heitz

Das ist ein Privileg, denn wir sehen hier viele Frauen, die Schwerstarbeit verrichten.  Sie tragen in riesigen Körben, beladen mit Kokosnüssen oder Wassermelonen, ihre Ware auf dem Kopf zum Markt.

An Baustellen sieht man Frauen, welche zentnerschwere

Körbe, gefüllt mit Sand hertragen.

Frauenarbeit
Sandsäcke für den Bau (c)1983 Corinne I.Heitz

Selbst  Ziegelsteine werden ausschliesslich auf den Köpfen und von Frauen transportiert.

Nachmittags gehen wir zum

Strand, an welchem wir immer noch gänzlich alleine sind. Wir treffen die Frauen, die Sandsäcke abfüllen oder Fischer, die ihre Netze auswerfen.

Wir gehen etwas schwimmen, sind aber sehr vorsichtig, die Brandung ist relativ stark und die Wellen kräftig.  Ab und zu kommen ganz kleine Fische und beissen uns, was jedoch nicht schlimm ist, sondern eher belustigend. Wir bewegen uns viel an dem endlos langen Strand.

Krankenstation

Allabendlich kommen die Leute aus der Nachbarschaft und zeigen ihre Wunden, welche desinfiziert und verbunden werden müssen.

Stolz zeig der Nachbar seinen geheilten Daumen, den Faden hatte er sich irgendwann selber entfernt.

Es scheint so, als ob das Schicksal mit mir hadern würde oder ich mit ihm. Hatte ich doch meine Medizinstudium geschmissen und  dann erst Philosophie und Kunstgeschichte studiert. Die Arbeit in der EDV bei der Bank empfand ich nicht als erfüllend.

Wenn die Menschen zu mir kommen und sich lieber von mir als vom Arzt verbinden lassen, gibt mir das ein gutes Gefühl des Gebrauchtwerdens. Ganz offensichtlich ist die ärztliche Versorgung hier ungenügend, es gibt weit und breit keine Praxis oder Anlaufstelle.  Von nun an weht ein weisses Stück Stoff mit einem rot drauf gemalten Kreuz an unserem Balkon immer dann, wenn wir anwesend sind.

Auch Doris war nicht zufrieden mit ihrer Situation in Zürich. Genau deshalb sind wir ja zu dieser Reise aufgebrochen.

Der Hund

Eines Tage beobachten wir, wie ein Taxi ohne Rücksicht zu nehmen in eine Gruppe von Hundewelpen fährt. Einer der 4 Hunde bleibt jaulend liegen.  Sofort rennen wir hin. Es scheint so, als ob der Kleine ein Beinchen gebrochen hatte.  Wir bringen ihn zu unserem Haus. Jetzt ist wieder voller Einsatz gefragt. Doris assistiert beim Anbringen einer Schiene, der Welpe merkt instinktiv, dass wir nur Gutes wollen und hält tatsächlich still.

Hündchen
Der kleine Hund mit Schiene (c) 1983 Corinne I. Heitz

Zwei Stöckchen werden neben das Bein angelegt und ich umwickle das Ganze Bein fest mit einem Verband. Wir kaufen Anti-Flohpulver, reiben den Kleinen damit ein und baden ihn gründlich.

Wir behalten ihn bei uns und nennen ihn Shiva.

Nachdem wir nun auch noch einen Hund versorgt haben, verbreitet sich die Neuigkeit wie ein Lauffeuer.


In der nächsten Folge geht es um laute Nächte,  streunende Hunde und dem Umgang der Menschen hier mit Tieren.

 

 

Fortsetzung

Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1

 


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