Indien Teil 12 Begegnungen

Lesezeit: 5 Minuten

Morgens

kommt der Bäcker wie immer mit den Brötchen. Das ist so zuverlässig und das tut so gut. Wir beissen immer herzhaft in die knusprigen frischen Semmeln, das ist ein bisschen Heimat und meist machen wir uns dazu eine Tasse Kaffee (den man hier eigentlich nirgends bekommt). Shiva bekommt immer noch sein eigenes Brötchen und bellt das halbe Dorf zusammen, wenn er die Fahrradglocke hört.

So sitzen wir draussen auf der Terrasse als Doris einen Schrei lässt und heftig spuckt. In ihrem Brötchen war eine riesige ganze Kakerlake eingebacken. Somit sind die frischen Brötchen morgens ab jetzt ersatzlos gestrichen.

Im Dorf

Morgens gehen wir jetzt ins Dorf  zum Frühstück ( Shiva bekommt sein Brötchen immer noch). Wir essen von nun an  Dosa (1) -sauscharf-, da ist man gleich wach! Dazu gibt es Chai, ein mit Milch eingekochter schwarzer Tee mit viel Zucker und Kardamom. Wir gewöhnen uns auch daran. Nach dem Frühstück geht es meist auf den Marktplatz, um einzukaufen und danach zur Post.

Als wir wieder einmal beim Post-Office anstehen, sehen wir nebenan einen neuen Verkäufer. Er hat frisches Zuckerrohr dabei,  dieses wird durch eine grosse Presse getrieben, unten fliesst ein grüner Saft heraus, der direkt in Gläser abgefüllt wird. Das grasgrüne Getränk macht uns neugierig, sind wir doch eigentlich permanent hungrig und durstig.

Wir kaufen uns je ein Glas davon und versuchen erst vorsichtig. Schmecken tut es wie grünes Gras aber etwas süsslicher und es scheint unserem Durst eine willkommen Abwechslung zu sein. Nachdem ich das Glas leer getrunken habe, kann ich mich gerade noch in Sekundenschnelle umdrehen, denn auch mein Magen machte eine 180 Grad Umdrehung. So schnell wie das Glas leer war, so schnell hat  mein Bauch den Zuckerrohrsaft zurückgegeben.  Ich schaue Doris an und auch sie befindet sich in der gleichen Situation nur ein bisschen zeitverzögert.

Ausflüge mit dem Bus

Wir fahren mindestens 2  mal pro Woche nach Mapsa auf den grossen Markt, um uns mit guten Lebensmitteln einzudecken, aber auch um etwas Abwechslung zu haben.  Auch sind wir schon 2 Mal mit dem Bus in die Hauptstadt Panjim gefahren.  Die Busfahrt ist sehr kompliziert und wird von einer Flussüberquerung gestoppt.

Fähre über den Fluss (c)1983 Corinne I. Heitz
Fähre über den Fluss (c)1983 Corinne I. Heitz

Der ganze Bus geht auf eine Fähre und setzt über den Mandovi-Fluss,  anschliessend fährt er weiter.  Der Besuch von Queen Elisabeth II ist angekündigt, dafür soll eigens eine Brücke gebaut werden, sowie die Strasse ausgebaut werden. Auch ein exklusives Hotelressort soll bei uns am Strand entstehen.

Mehr wie einmal ist uns mulmig bei der Fahrt mit dem Bus. Oft überlegen wir uns nun, wie wir wohl die weitere Reise in Indien angehen sollten, wir hatten ja geplant, nach Goa, quer durch Indien zu reisen, eventuell bis Tibet.

Mittags

sind wir in der Regel auf unserer Terrasse. Es ist so heiss, dass es nicht möglich ist, irgendwelchen Aktivitäten nachzugehen. Ich versuche dann meine Bücher zu lesen und Doris übt auf der Gitarre.

Shiva und das Ferkel (c)1983 Corinne I. Heitz
Shiva und das Ferkel (c)1983 Corinne I. Heitz

Die Kinder spielen rund um unser Haus, die Schweine suhlen sich und die kleinen Ferkel toben mit Shiva um die Wette.

 

 

 

Begegnungen

Dadurch, dass wir viel im Dorf unterwegs sind, lernen wir viele Menschen kennen, vor allem Ausländer, die hier leben. Wir werden auch schon mal zum Essen eingeladen.

Eines Tages taucht ein charmanter gut aussehender Mann um die 40 aus Delhi in unserem Ort auf.  Er erzählt uns von seinen vielen Reisen und scheint sehr gebildet zu sein.  Am Abend sind wir zu einem Essen in dem einzigen Hotel bei uns am Strand eingeladen. Für indische Verhältnisse ist das Hotel recht teuer. Wir treffen einige bekannte Gesichter. Der Inder hat uns an eine Tafel eingeladen mit sicherlich einem Dutzend anderen Personen.

Am nächsten Tag wolle er nach Panjim fahren, um einige Geschäfte zu erledigen und fragt, ob ich ihm meine Kamera leihen könnte. Wir zögern kurz und dann denke ich mir, wird schon nichts passieren, ich hatte 2 Spiegelreflex-Kameras gebraucht gekauft, vor unserer Reise, selbst bei Verlust würde uns das nicht sehr hart treffen.

Ich rolle den Film ein und nehme ihn sicherheitshalber heraus. Wir verabreden uns zu einem nächsten Essen im Hotel in 2 Tagen.

Abends

Es ist immer noch Kranken-Sprechstunde. Diesmal bringen  Kinder eine verletzte Krähe. Das hat allerdings eine Vorgeschichte. Die Kinder hatten am Nachmittag eine Krähe gefangen und sie dann mit einer langen Schnur am Fuss festgebunden. Das arme Tier musste so etwas wie Drachen-Steigen mit sich spielen lassen. Die Kinder liessen die Krähe fliegen bis ans Ende der Schnur und rissen sie sodann aus dem Flug zu Boden, das fanden sie sehr lustig und lachten laut.

Wir waren natürlich sehr wütend und haben das den Kindern auch mitgeteilt. Die Krähe hatte den Flügel gebrochen und wahrscheinlich auch noch andere Verletzungen. Ihr zu helfen, war fast nicht mehr möglich. So behielten wir sie bei uns, bis sie friedlich sterben konnte.

Ob man den Kindern wirklich böse sein konnte, ist nicht so leicht zu beantworten. Sie wachsen in diesem Milieu von drogensüchtigen Ausländern und oft Alkoholabhängigen Vätern auf. Sie erleben täglich Gewalt in irgendeiner Form und können nirgends zur Schule.

Kinderbestrafung (c)1983 Corinne I. Heitz
Kinderbestrafung (c)1983 Corinne I. Heitz

Wenn sie etwas angestellt haben, werden sie sehr hart bestraft. Man bindet sie an einen Baum und peitscht sie mit Palmwedeln aus, die andern Kinder stehen dumm drum herum und lachen die armen Geschlagenen auch noch aus.

Die Kinder unserer Vermieter sind privilegiert, durch einen Patenschaft bei World Vision, können sie zur Schule gehen. Sie haben auch ein Radio und Bücher.

 

 

Nachts

Es ist nicht stiller geworden, ganz im Gegenteil. Je mehr Touristen in die Region kommen, desto mehr wird Party gemacht. Oft gibt es nächtelanges Trommeln zu hören oder in riesigen Zelten werde laute Feste gefeiert.

Im Haus zu unserer Linken wohnt ein Alkoholabhängiger mit Familie. Jede Nacht schlägt er die Kinder und die Frau, stundenlang brüllt er herum. Seine lautstarken Alkohol- Exzesse führen eines Nachts dazu, dass er die Strohhütte in Brand setzt, das ist vielleicht ein Theater, man kann sich vielleicht vorstellen, dass es hier keine Feuerwehr gibt. Alle Nachbarn kommen mit Wassereimern her gerannt zum Löschen, erst in den frühen Morgenstunden kehrt wieder Ruhe ein.


(1) Dosa oder Dosai (Kannada: ದೋಸೆ dōse [d̪oːse], Malayalam: ദോശ dōśa [d̪oːɕa], Tamil: தோசை tōcai [d̪oːsɛi̯], Telugu: దోస dōsa [d̪oːsa]) ist ein Gericht der südindischen Küche. Bei Dosa handelt es sich um eine Art Pfannkuchen, der traditionell auf einer gusseisernen Platte zubereitet wird. Er besteht aus einem fermentierten Teig aus Reis und Urdbohnen, der auch für die ebenfalls beliebten Idli verwendet wird. Dosa wird meist zum Frühstück verzehrt. Serviert wird Dosa in der Regel mit Sambar (einer Soße auf Linsen- und Tamarindenbasis) und Chutney, typischerweise aus Kokosnuss.

(Quelle: Wikipedia)


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Fortsetzung

Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1

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