Indien Teil 26 Ellora Höhlen

Lesezeit: 3 Minuten

Missverständnisse in der Apotheke

Bei Sonnenaufgang weckt uns der Muezin, der lautstark mittels Megaphon vom Minarett ruft.

Die Stadt Ahmednagar wirkt auch jetzt dunkel, die Strassen sind eng, die Gemäuer sehr hoch, kalt und düster. Bevor wir losfahren, gehen wir noch in eine Apotheke, um Tampons zu kaufen, denn die nächsten Tage werden wir grosse Strecken zurücklegen müssen. Obwohl keine Kunden in der Apotheke sind, werden wir vollkommen ignoriert. Hinter dem Tresen steht einer dieser Inder, die uns von Anfang an unsympathisch waren. Sie sind gross, in weisse Tücher gekleidet, wohlbeleibt und haben eine glänzende Speckfalte im Nacken.

Ich frage nach den Tampons, denn es gibt keine Auslage, an der man sich bedienen könnte. Widerwillig murmelt er etwas Unverständliches. Ich verstehe nichts und versuche nochmals zu sagen, was wir möchten. Er scheint nicht gewillt zu sein, mit uns zu sprechen.  Er geht nach hinten und verschwindet. Kurze Zeit später kommt eine Frau mit Kopftuch und gesenktem Blick, erneut fragen wir. Zunächst versteht auch sie nicht. Mit Händen und Gesten versuche ich zu verdeutlichen, was ich möchte. Das grenzt natürlich ans Absude, denn meine Gestik ist etwas seltsam in Anbetracht dessen, was wir wollen. Man stelle sich einen Pantomimen vor, der erklärt, was ein Tampon sei. Sie ist völlig entsetzt, das gäbe es nicht und es sei wohl verboten.  Sie streckt uns ohne uns anzusehen eine Packung Binden hin (sieht eher aus wie Windeln).  Jetzt kommt der Mann wieder und gestikuliert wild in der Gegend rum, während er uns wohl beschimpft. Wir nehmen 4 Flaschen Wasser, zahlen und gehen. Da haben wir wohl ins Fettnäpfchen getreten, es scheint wohl, dass hier  unter islamischen Gesetzen die Tampons verboten sind, wir hatten doch keine Ahnung! Im Nachhinein hat uns dieser Vorfall doch etwas beängstigt, denn der Mann schien richtig aggressiv gewesen zu sein.

Ellora Höhlen

 

Wir fahren nach Aurangabad, wo wir länger als nur eine Nacht  in einem Hotel bleiben. Die Fahrten mit dem Motorrad sind sehr anstrengend wegen der grossen Hitze und der schlechten Strassen,  sodass wir uns etwas ausruhen müssen. Von dort aus unternehmen wir einen Tagesausflug zu den Ellora Höhlen.

Wir kommen dort an und ausser uns ist da nur ein einziger Mensch, ansonsten sind wir vollkommen alleine. Man kann sich das heute überhaupt nicht mehr vorstellen.

Heute sind die Höhlen die meistbesuchten historischen Stätten in Indien. Sie gehören seit 1983 zum UNESCO Weltkultur-Erbe, also wohl kurz nach unserem Besuch.  Das Höhlensystem, welches aus dem Basalt gemeisselt wurde, besteht aus 34 buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Tempeln.

Ellora caves near Aurangabad, Maharashtra state in India (c) Fotalia

Dieser eine Mensch empfängt uns freundlich und bietet uns eine Führung an.  Wir lehnen zunächst ab, da er uns aber auf Schritt und tritt folgt, lassen wir ihn gewähren und erzählen.

Dieses Werk begeistert uns sehr. Man muss sich vorstellen, dass über 6 Jahrhunderte lang, eine über 2 Kilometer lange Anlage aus einer Basalt-Felsplatte gehauen wurde. Die ganze Anlage ist somit ein Stück bearbeiteter Fels. Es handelt sich dabei nicht einfach um simple Statuen oder Tempel, sondern zum Teil um äusserst filigrane Arbeiten, welche schon fast wie Schnitzereien anmuteten.

Da es in den Höhlen sehr dunkel ist und der Basalt fast pechschwarz ist, war es mir kaum möglich, Bilder zum machen.

Ellora Höhlen, Indien (c) 1983 Corinne I Heitz
Ellora Höhlen, Indien (c) 1983 Corinne I Heitz

Wir bleiben fast den ganzen Tag dort, denn es gibt so viel zu sehen. Um die Höhlen herum toben die uns schon vertrauten Hanuman-Affen.

Ellora, Indien, Affe mit Jungem (c) 1983 Corinne I.Heitz

Wir haben an diesem Tag gelernt, dass es sehr freundliche Inder gibt, die eigentlich nur helfen möchten. Sie sind stolz auf ihr Land und ihre Kultur und sie möchten einem zeigen, was ihr Land besitzt. Natürlich haben wir am Ende der Tour ein paar Rupien bezahlt. Ich bin mir aber sicher, es ging dem Mann  nicht nur ums Geld, sondern eher darum, dass wir wirklich den ganzen Eindruck dieser unglaublichen Schaffenskraft erkennen können. Ich durfte ihn nicht fotografieren, weil er Moslem sei und nicht wolle, dass sein “Ich” oder die “Seele”festgehalten würden.

Wir hatten das ausserodentliche Glück, dieses Gesamt-Kunstwerk zusammen mit einem einzigen ortskundigen freundlichen Menschen in aller Ruhe einen ganzen Tag lang ansehen zu können.

Damit man sich ein Bild machen kann, um was für eine Meisterwerk es sich bei der Höhlenanlage handelt, habe ich hier einen YOUTUBE-Film angehängt.


 

 


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Fortsetzung

Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1


 

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Auch über Kommentare zu meiner Erzählung würde ich mich sehr freuen 🙂


 

2 Antworten auf „Indien Teil 26 Ellora Höhlen“

  1. Die Höhlen sind wundervoll und lohnen sich in jedem Fall! Als ich dort war, waren dort zwar mehr Besucher als bei euch, aber außer mir und noch ein, zwei Europäern nur Inder und viele wollten wie üblich Fotos mit mir 😉 Aurangabad mit seinem Mini-Taj lohnt sich übrigens auch für einen Tagesausflug. Hm, wäre mal einen Blogartikel wert 😉
    Liebe Grüße,
    Ivana

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