Indien Teil 2 Tage Bombay

Lesezeit: 4 Minuten

Teil 2 Indienreise 1983

und so geht es weiter…  Ich wechsle mit Absicht in die Gegenwartsform in meiner Erzählung, um Sie, Dich mitzunehmen in die vielfältige Welt, die uns von nun an begegnen wird.

Hier ist der 1. Teil nachzulesen : Indien der Anfang

Erste Tage Bombay

Wir sind noch in Bombay im Januar 1983

Die ersten Eindrücke von Indien sind schwierig.

Es fallen uns die vielen Filmplakate auf, die überall an den Hauswänden kleben. Wie wir erfahren, zieht es viele Menschen nach Bombay, weil sie in den kitschigen Filmen sehen, wie es den reichen und schönen Menschen in Bombay gut geht.

Willkommen in Bollywood

Bombay 1983 (c) Corinne I. Heitz

Auch sie, die vielen Menschen, die wenig bis nichts in ihrem Leben erreichen konnten, möchten dort sein, wo man singt, tanzt und glücklich ist. Sie können nicht lesen und auch nicht schreiben, sie können tanzen und singen (das glauben sie zumindest). Die Filme vermitteln ihnen den Eindruck, dass in Bombay alles  bunt und leicht sei.  Oft landen sie einfach im Strassengraben und werden zu obdachlosen Bettlern.

 

Nähe

Überall wuselt es nur so von Menschen und die Inder kennen keine Distanz wie wir. Sie möchten Körperkontakt, überall, auf den Strassen, in “Restaurants” und sogar im Hotelzimmer.

Als wir uns etwas zu Essen kauften, denn es gibt überall etwas zu kaufen, aber nicht wirklich Restaurants, so wie wir sie kennen, bringen wir das mit ins Hotel und setzen uns auf das Bett, welches den Raum fast ganz füllt.  Die anderen Mitbewohner scheinen das auch so zu machen, jeder hat sein Essen und der Raum mit dem grossen Ventilator an der Decke verbreitet diverse Gerüche für unsere Nasen zum Teil neu und auch ungewohnt.

Die Türe geht auf und ein lächelnder Mann schaut rein, wir lächeln auch und wissen nicht, was als nächstes kommt.

Jetzt geht die Türe noch weiter auf und es kommen er, samt Frau und weiteren Personen in unser Zimmer herein. Sie setzen sich mit zu uns auf das Bett und fangen an uns alles Mögliche zu fragen. Zunächst wollen sie nur wissen, was wir essen, ob wir es gut finden und wo wir es gekauft haben.

Doris und ich schauen uns gegenseitig sprachlos an.

Wir essen weiter, während es immer lauter und enger wird um uns herum. Als wir sagen, wir seien aus der Schweiz, werden noch mehr Personen hinzugerufen. Alle sitzen auf dem Bett oder stehen im Türrahmen. Sie wollen mehr wissen, von der Schweiz. Ob es stimmt, dass es da hohe Berge und Schnee gibt, ob wir reich sind, was wir hier machen und und und; die ganzen Klischees werden abgefragt. Und ganz am Ende möchte einer noch wissen, wie er dort hin könne, um dort zu leben.

Als wir fertig gegessen haben, wissen wir nicht was tun. Sagen wir müssten noch was besorgen und nur so bekommen wir unseren Raum wieder leer.

Auf den Strassen

Wir gehen hinaus auf die Strassen Bombays, doch auch hier können wir uns nicht retten vor den vielen Menschen.

Es ist eine Reizüberflutung für unsere Augen, Ohren und Nasen. Es liegen Menschen am Boden in Lumpen gepackt.  Es gibt Leprakranke, die einfach nur da sitzen und auf ein Almosen hoffen. Die Leprösen werden in Indien aus ihren Familien verbannt, ausgesetzt und deshalb bezeichnet man sie als Aussätzige. Sie müssen sehen, wie sie zurecht kommen. Kinder rennen umher und betteln. Wir geben ihnen ein Sandwich, dieses wird an der nächsten Ecke weggeworfen, wir dachten sie hätten Hunger.

Die Menschen sind bunt gekleidet, vornehme Inderinnen tragen wunderschöne Seiden-Saris, die Männer oft weisse Kleidung  mit dem Nehru-Kappi.

Jawaharlal Nehru war ein indischer Politiker, Widerstandskämpfer und von 1947 bis 1964 erster Ministerpräsident Indiens. Er ist auch bekannt als Pandit Nehru.

(Quelle Wikipedia)

Wir sehen Jainas, Anhänger des Jainismus, welcher die Verletzung eines jeden Lebewesens verbietet. Sie sind komplett in weiss gekleidet und tragen einen Mund- und Nasenschutz, um nicht aus Versehen eine Mücke einzuatmen und sie so zu töten, sie gehen barfuss und sehr achtsam, um auf nichts zu treten, was lebt.

Wir gehen an die Mole und später zum Gateway to India (Tor zu Indien) dem monumentalen Bau aus dem Jahre 1924.  Von dort waren wir tags zuvor mit dem Schiff zur Elefanta Insel gefahren.

Gateway of India
The “Gateway of India” monument in Mumbai (India) (c) Fotalia

An einem der vielen Stände lassen wir uns  Kokosnüsse öffnen und erfrischen uns an dem kühlen Kokoswasser. Immer sind wir umringt von Menschen, die uns erwartungsvoll und neugierig ansehen. Kinder rennen uns nach, sie wollen Geld für Süssigkeiten, die hier überall an fahrenden Verkaufsständen feilgeboten werden.

Für den nächsten Tag haben wir die Schiffstickets nach Panjim Goa, die Reise geht weiter.

 




Fortsetzung

 

 

 

Eine Antwort auf „Indien Teil 2 Tage Bombay“

  1. Interessanter Bericht! Übrigens: Der Begriff “Aussätziger” stammt aus dem Europäischen Mittelalter, als jeder mit einer schlimmen Hautkrankheit, auch Leprakranke, aus den Häusern und Familien vertrieben wurde.

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