Shiva
Viele haben mich gefragt, wie es denn mit Shiva weitergehe, wenn wir Calangute verlassen?
Unsere Vermieter und Nachbarn haben viel von uns gelernt. Sie haben im Umgang mit Tieren eine andere Einstellung, seit wir ihnen gezeigt haben, dass Tiere unsere Liebe brauchen und uns dafür mit ihrer Treue etwas zurückgeben. Sie haben uns gefragt, ob sie Shiva adoptieren dürften. Wir sind natürlich froh darüber, es wäre uns schon etwas schwer gefallen, den Hund so plötzlich sich selbst zu überlassen.
Shivas Mama ist uns bis heute, täglich besuchen gekommen. Sie wollte nur Streicheleinheiten und nach ihrem Sohn sehen. In den letzten Tagen, sehen wir sie mit einem äusserst hässlichen räudigen Rüden um die Häuser ziehen, das verheisst nichts Gutes!
Abfahrt
Wir reissen uns los. Nach letzten Umarmungen sind wir endlich wieder frei, befreit von Hund und Haus und den alltäglichen Widerlichkeiten, die wir hier erlebt haben. Wir haben auch kaum mehr Sachen dabei.
Alles was wir brauchen, haben wir gut verstaut. Den Wasserfilter, ein bisschen Kleidung, Toilettenpapier und zwei Flaschen Wasser. Wir haben beide nur ein Paar Schuhe. Damals hatte ein berühmter Sportschuh-Hersteller das ersten Mal einen Treckingschuh entwickelt. Kein klobiger Wanderschuh aber auch kein leichter Turnschuh, genau diesen Schuh hatten wir uns für Indien gekauft.
Wir haben eine Strassenkarte Indiens; das Motorrad ist gut beladen, an der einen Seite haben wir 10 Liter Reservebenzin im Kanister angebracht. Auf der anderen Seite ist ein Koffer, sowie auf dem Gepäckträger einen zweiter Koffer und unsere Schlafsäcke befestigt. Wir kaufen noch einen etwas stabileren Motorradhelm, diejenige die fährt, sollte immer diesen Helm, die Sozia den gelben Bauhelm tragen.
Ab jetzt sind wir
Unterwegs
Wir wissen nicht genau, wo uns unsere Reise hinführen wird. Unser “Endziel” liegt irgendwo im Norden, in unserer Vorstellung zum Beispiel Amritsar, die Hauptstadt des von Sikh dominierten Punjab. Von dort aus wollten wir über den Hindukush nach Tibet gelangen, doch das liegt alles noch in weiter Ferne.
Der erste Tag
Die Route führt uns Richtung Poona (heute Pune), das rund 500 Km weiter nördlich liegt. Dort lebte dereinst der berühmt berüchtigte Sektenführer Bhagwan[1]. 1983 ist er jedoch bereits in den USA und treibt dort sein Unwesen.[2]
Das Erste, was uns auffällt, sind die Strassenschilder, oh Schreck, wir können sie nicht lesen. (Das Bild zeigt nur ein Beispiel aus dem Internet, es ist nicht auf unserer Reise entstanden. ) Ich versuche sodann, mit der Strassenkarte zu vergleichen, was auch nicht gelingt, denn unsere Karte zeigt zwar ganz Indien aber nicht die Strassen, auf welchen wir uns befinden. Irgendwie müssen wir uns orientieren.
Zunächst ist das noch einfach, denn wir müssen nach Norden fahren und die Beschilderung Richtung Bombay ist auch in Englisch.
Wir gelangen auf eine Hochebene.

Das Motorrad stöhnt unter unserem bescheidenen Gewicht, es sind sehr steile Strassen, die ihm zu schaffen machen. Uns schlägt eine extreme Hitze ins Gesicht, es ist so heiss, dass der Teer auf der Strasse schmilzt. Die Luft ist so heiss, dass es sich anfühlt, als ob man eine Sauna betreten würde. Wenn Doris fährt, verschanze ich mich hinter ihr, damit ich Luft zum Atmen habe.
Was wir sehen, ist absolut spektakulär, wir befinden uns irgendwo im Nirgendwo mitten in Indien.

Es gibt aber nicht einen Ort oder eine Stelle, an welcher uns kein Mensch begegnen würde, das fällt uns auf.
In irgendeiner Stadt zwischen Calangute und Poona übernachten wir in irgendeinem Hotel. Das Motorrad wird mit einer Eisenkette und einem schweren Vorhängeschloss an einem Kandelaber vor dem Hotel gesichert. Natürlich fallen wir auf und es bildet sich sofort eine Menschentraube um uns.
Ich habe ab jetzt keine Aufzeichnungen mehr und muss mich anhand der wenigen Bilder und meinem ausgezeichneten Erinnerungsvermögen orientieren.
Aufgrund meiner Recherchen und des einziges Bildes, das ich von dem Ort habe, dürfte es sich um Kolhapur handeln. Wir haben somit am ersten Tag gute 200 km zurückgelegt.
1] “Die Bhagwan-Sekte geht auf Rajneesh Chandra Mohan zurück. Er wurde 1931 in Indien geboren, studierte Philosophie, schloß, das Studium als Magister ab. 1953 hätte er seine Erleuchtung gehabt. Seit 1969 scharte er Jünger um sich, seit 1971 nannte sich der Guru “Bhagwan”, der Erleuchtete und 1974 zog er mit seinen Jüngern nach Poona, ca. 260 km südöstlich von Bombay, wo er einen Ashram gründete. Zwischen 1974 und 1980 strömten ca. 250000 intellektuelle Aussteiger aus westlichen Ländern (vor allem junge Frauen) nach Poona, um sich von ihm erleuchten zu lassen und seinem Rajneeshismus zu folgen. 1981 flüchtete er vor der indischen Steuerfahndung in die USA, wo er in Oregon einen ganzen Landstrich gekauft hatte. 1985 mußte er die USA verlassen, sein Imperium zerbrach. Er erklärte den “Rajneeshismus” für beendet. 1989 starb Bhagwan. Seitdem firmiert die Sekte unter dem Namen “Osho-Bewegung”.” Quelle https://www.religio.de/indien/bhagwan/bhagwan.html

2] Viele unserer Freundinnen und Freunde hatten damals Angst, dass wir in irgendeinem Ashram landen würden, um von einer Sekte verschluckt zu werden und niemals mehr zurückzukehren.
Ich mache ein bisschen Werbung für ein Buch, welches die damalige Situation recht gut schildert. Bis heute wird das Thema rund um Bhagwan kontrovers diskutiert.
WERBUNG
Den ganzen Reisebericht beginnen hier: Teil 1
Wer gerne weiterliest, sollte sich bitte in der rechten Spalte eintragen, um regelmässig informiert zu werden, wenn ein neuer Beitrag erscheint. Vielen Dank! ?
Auch über Kommentare zu meiner Erzählung würde ich mich sehr freuen 🙂
Gespannt wie es weitergeht
Es gibt auch hier noch ehemalige Sektenanhänger von Bhagwan, die nach gleichem Schema wirken. 2002 arbeitete ich in Lützelflüh im “Waldhaus” u.A. als Reinkarnationstherapeutin. Dass dort der Geist Bhagwans herrscht, ist bis heute nirgendwo ersichtlich. Ich brauchte ein Jahr, um die subtilen meist unausgesprochenen Gesetze zu bemerken. Das Resultat gipfelte 2005 in einem Gerichtsprozess, in dem ich mein gefordertes Entgeld bis zum letzten Rappen gewann. Leider arbeiten bis jetzt Menschen dort für n Appel und ein Ei.
Danke für deinen tollen Bericht und l.G.Sonja